Dieses Thema …

Dieses eine Thema geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Nicht, dass es mir ab meiner ersten Berührung jemals komplett egal gewesen wäre, aber eben ohne die Dominanz, die es derzeit hat. Es ist faszinierend … Viele Berichte habe ich darüber gesehen. Eine Welt voller (für mich zumindest) magischer Anziehungskraft. Ob das was mit den vielen Regeln zu tun hat? Die zu studieren lohnt sich ja wirklich sehr. Dieses Halbvertraute. Manches kenne ich. Andererseits ist da viel Unbekanntes. Menschen mit ihren Träumen, Hoffnungen, Wünschen, aber auch Sorgen und Ängsten. Bisweilen spüre ich eine gewisse Heiligkeit. An der Stelle des Gottesnamens „Jehova“ oder die vier Konsonanten zu schreiben ist für mich in einer Bibelübersetzung ein Unding, das mir körperliche Schmerzen bereitet. An diese Stelle gehört entweder das hebräische „Adonai“ oder deutsch „Herr“ in Kapitälchen!

Stehe ich jemandem von ihnen gegenüber, möchte ich ihnen nicht zu nahe treten. Ich möchte mit ihnen reden, von ihnen erfahren, wie sie denken, fühlen, handeln. Fürs erste Mal schaffe ich es aber nicht, mich wirklich zu unterhalten. Da ist die Schwelle gegenüber Christen anderer Konfession niedriger. Ich würde sie ja gern richtig kennenlernen. Da war wieder dieses Gefühl der Heiligkeit. Dieses, dass das Verhältnis zu meinen Gesprächspartnern ein spezielles ist. Diese rätselhafte Distanz und große Nähe zugleich. Anziehend und gleichzeitig auf einen respektvollen Abstand haltend.

Auf der einen Seite sauge ich alles auf, was an Dokumentationen, Berichten, Informationen zum Thema zu bekommen ist. Auf der anderen Seite dieses schwer zu beschreibende Gefühl, wenn ich sie anschaue oder lese. Wenn ich von Bedrohungen, Feindschaft höre oder lese, habe auch ich Angst. Ich bin nicht betroffen. Aber ich habe Angst um die, die sich wirklich fürchten müssen. Ich verstehe sie sehr gut, wenn einige lieber Deutschland verlassen wollen. Mir ist unheimlich, wenn sich jemand in Deutschland rassistisch äußert. Und ich frage mich, wie das wird, wenn genau das bei meinem Freiwilligendienst ein wesentlicher Inhalt ist – mich genau damit beschäftigen, mit Rassismus und seinen Folgen. Wie sehr es mich emotional mitnimmt.

Ich bin Deutsche. Ich gehöre nicht zum Volk Israel. Und doch bin ich mit ihnen als Schwester im Glauben verbunden. Eine Nähe so groß wie sonst nur zu meinem Freund und zu meinem Opa. Aber verwandt sind wir nicht. Die Verbindung ist eher eine geistliche. Und diese geistliche Verbindung hat wesentlich mehr Macht als die biologische Verwandtschaft. Das Verhältnis zu den meisten meiner Verwandten ist über selbige hinaus nämlich so gut wie nicht existent. Zu anderen Christen jedoch finde ich schnell einen Draht. Wohl überhaupt zu religiösen Menschen leichter als zu anderen. Und ich bin nicht die erste und/oder einzige mit dieser Beobachtung. Und dennoch: Jenseits meiner eigenen Konfession und des Christentums im Allgemeinen wird das Verhältnis zum Volk Israel immer ein sehr spezielles sein – als Deutsche, als Christin.

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Die Idee mit dem Freiwilligendienst

Ich habe mir in den Kopf gesetzt es einfach mal zu versuchen. Ich bewerbe mich einfach mal für einen Friedensdienst bei Aktion Sühnezeichen. Der geht ein Jahr. Nun habe ich das in der Gemeinde ein paar Leuten erzählt. Schließlich brauche ich am Ende auch Paten. Erste Umfrage: Ernüchternd. Bislang gibt es nur eine, die das unterstützt. Die andern sind mal mehr, mal weniger skeptisch. Die haben wohl typische FSJ-Einsatzstellen im Kopf. Das ganze dann noch im Ausland zu absolvieren können sie sich kaum vorstellen. „Du weißt doch: Bei der letzten Kinderbibelwoche der eine Vorfall.. Das geht nicht gut, besonders in der Fremde.“ – „Du bist doch schon urplötzlich ausgerastet. Was sollen die von dir denken.“ „Du brauchst doch besonders viel Ruhe. Die wirst du dort nicht haben. Du überforderst dich.“ „Du kommst mit dem Fremden bestimmt nicht so gut zurecht. Am Ende bist du hilflos irgendwo im Ausland gestrandet.“ „Wer weiß, was da alles passieren kann. Kommst du mit Situation x zurecht? Oder mit Situation y?“ „Da kennst du doch niemanden. Wie willst du denn mit den vielen fremden Leuten zurecht kommen?“ „Was ist mit der anderen Kultur? Mit den fremden
Gepflogenheiten? Da eckst du doch nur an.“ „Du kannst nicht immer nur am Gruppenleiter kleben.“ Wenn die sich vorstellen könnten, was ich alles schon geschafft habe! Und bei der Kinderbibelwoche spielte auch eine Rolle, dass unsere Gemeindepädagogin und ich uns nicht erst seit kurzem kennen und sie es etwas zu gut meinte. Und das nicht zum ersten Mal. Solche kritischen Situationen entstehen nicht unbedingt von heute auf morgen. Und es ist sehr von der Tagesform abhängig. Bei der Sache mit „am Gruppenleiter kleben“: Bedenken diejenigen dass a) ich älter und reifer geworden bin und b) es sich auf einen Aufenthalt von 48 Stunden bezieht und c) der grundlegende Ablauf bei einem 2. Mal vermutlich so ähnlich sein wird – und ich schon ungefähr weiß, wo es lang geht und d) es sich durch mehr Informationen im Vorfeld hätte vermeiden lassen? Da war die Klassenfahrt nach England besser organisiert. Tschuldige, war aber so!

Außerdem gibt es wesentlich mehr Einsatzmöglichkeiten als im sozialen Bereich. Es kann genauso gut dazu gehören, den halben Tag im Archiv zu verbringen. Wenn die Leute immer nur vom Schlimmsten ausgehen… Ich lande bestimmt nicht zwangsläufig in der Pampa. Und eine Großstadt besteht auch nicht nur aus dem stets verstopften Zentrum. Am Ende ist es auch eine Frage der Organisation bzw. von deren Funktionieren. Außerdem bewerbe ich mich nicht für einen Kurzeinsatz, sondern für ein volles Jahr. In dieser Zeit kann ich mich schon auf die Bedingungen vor Ort einstellen. Denke mir, dass so ein Kurzeinsatz unter Umständen sogar anstrengender ist im Verhältnis zur Dauer – eben weil er nach maximal 4 Wochen wieder vorbei wäre. Da bin ich ja schon bei der Ankunft hibbelig, weil es bald wieder zurückgeht.

Eine vertraute Umgebung ist ja schön und gut. Wenn ich aber den Eindruck habe, beruflich auf der Stelle zu treten und, dass sich daran bestimmt nichts ändert, wenn ich nicht mal aus meiner kuschligen Kleinstadt raus komme… Da liegt ja gerade das Problem: Ich habe mich hier
eingerichtet, bin träge geworden. Wirklich Interessantes, mit dem ich mich längere Zeit beschäftigen könnte, ist zu oft eine unverhältnismäßig lange Fahrtstrecke entfernt (Wenn die Hinfahrt schon 1,5 h dauert und die Rückfahrt potentiell länger ist, die Veranstaltung aber nur 2 Stunden dauert und auch noch abends stattfindet). So etwas überlege ich mir dann doch eher 2 mal. Es ist die Ahnung von „Da ist noch mehr, nur leider von hier aus schlecht erreichbar.“ Und manches Ausrasten ist ein Hochschrecken aus der vollkommenen Ruhe. Das Problem ist, dass Ereignisse selten sind und genau deshalb jeweils mehr belasten. Mir fehlt auch die Gewöhnung an eine gewisse Belastung. Und mir fehlt das Gefühl, am Ende des Tages hundemüde, aber glücklich ins Bett zu fallen. Vor allem kann ich mich mal wieder für irgendwas begeistern, motivieren, aufraffen. Und bei der Rückkehr habe ich dann das gute Gefühl etwas geleistet zu haben, über mich hinausgewachsen zu sein. Die
Gegenmaßnahmen für die angeblich dagegen sprechenden Punkte kann ich ja alle in die Bewerbung schreiben. Sie bitten sogar darum. Sie wollen schließlich keinen unnötigerweise ausschließen. Am Ende geht es doch – Plätze vorausgesetzt.

Liebe – ein großes Wort

Vergangenen Sonntag war ich auf einem Festival mit dem Namen Achava in Erfurt. Achava, das ist hebräisch und ḿit Brüderlichkeit vermutlich schlecht übersetzt. Es hat eine viel umfangreichere Bedeutung. Ganz ähnlich wie das deutsche Wort „Liebe“. Es gibt die Liebe zwischen 2 Menschen, die eine Familie gründen wollen. Oder die Liebe zwischen Eltern und Kindern. Oder die Liebe zwischen Geschwistern. Oder die Nächstenliebe. Oder das, was wir gemeinhin als engsten Freund bezeichnen. Es gibt auch die Liebe zu Tätigkeiten, Landschaften, Orten. All diese Formen von „Liebe“ haben eine sehr unterschiedliche Qualität. Und dennoch sagen wir zu allem: „Ich liebe dieses oder jenes, diese oder jene.“ Worum geht es also, wenn wir jemanden oder etwas lieben: um Achtung, Respekt, Wertschätzung, Bindung, Gemeinsamkeit, Gemeinschaft.

„Ich habe immer daran geglaubt, daß das Gegenteil von Liebe nicht Haß ist, sondern Gleichgültigkeit.“ (Ellie Wiesel)

Angesichts der genannten Definition von Liebe ist es sehr zutreffend. Wenn ich jemanden oder etwas liebe, dann ist er oder sie oder es mir nicht egal. Diese Person oder diese Sache ist mir wichtig.

Wenn mir etwas gleichgültig ist, dann ist es mir egal. Mich interessiert es nicht. Ich verwende keine Zeit darauf. Sollte sich etwas ändern, würde ich davon kaum Notiz nehmen. Diese Person oder Sache kommt in meinen Gedanken gar nicht vor. Das ist Gleichgültigkeit. Und das sind für meine Begriffe Dinge, die komplett dagegen sprechen, dass jemand eine Person oder eine Sache liebt.

Und darum ging es bei dem Festival: Die Gleichgültigkeit gegenüber der jüdischen Gemeinde abzubauen, Begegnung und Gemeinschaft zu ermöglichen. Einfach miteinander reden. Die Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen. Einander Fragen stellen. Auf dass das Fremde weniger fremd ist. Brücken bauen buchstäblich und zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen (Juden, Muslime (Ahmaddiyya-Gemeinde), Sinti und Roma, aktuelle Flüchtlinge, Einheimische, Touristen). Achtung, Respekt, Wertschätzung, Gemeinschaft: All das erlebbar zu machen.

Ja – „Liebe“ ist ein großes Wort. Es bedeutet, sich für den anderen zu interessieren. Liebe ist etwas, das wir in unserer Gesellschaft dringender brauchen als alles andere. Der Leitfaden unseres Handelns sollte Liebe sein. „Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes und der Propheten“, weiß schon das Neue Testament. Denn wer liebt, dem liegt am Wohlergehen seiner Mitmenschen.

Zwickmühle

Jetzt muss ich ganz dringend etwas loswerden.

Heute hatte ein befreundetes Paar seine kirchliche Trauung. Ich (und etliche andere) haben sich die vergangenen Monate darauf vorbereitet. Für die beiden habe ich mir einen besonderen Gruß ausgedacht. Es war klar, dass viele Verwandte von weiter weg anreisen würden.

Der Tag begann schon ziemlich actionreich. Tische stellen und decken. Mich umziehen. Dann um Mittag eine – kurze (!) – Verschnaufpause. Dann Probe mit dem Chor. Der Trau-Gottesdienst verlief nach Plan. Eine örtliche, private Musikschule hatte einen kleinen Beitrag vorbereitet. Dann wollte ich beim Kaffee trinken meinen kleinen Vortrag anbringen.

Da begann das Dilemma. Vor dem Paar befand sich eine gefühlte Endlosschlange Gratulanten. Sollte ich einfach anfangen? Oder erst einmal laut „Ruhe!“ brüllen? Mich anstellen und dann die Schlange erstmal aufhalten, damit die Ohren bei mir sind? Oder warten, bis alle durch sind? Wenn ja, wann ist das? Halte ich so lange durch (immerhin an die 100 Gäste!)? Dieses Hin- und Herüberlegen machte mich nervös. Resultat: einmal verschütteter Kaffee. Am Ende war eine Option „unverrichteter Dinge gehen“. Oder die ganze Hochzeitsgesellschaft ganz verrückt machen. Nur, dass mir die bis dahin schöne Feier endgültig versaut gewesen wäre. Und in letzerem Fall den anderen Gästen gleich mit.

Eine Bekannte meinte, dass ja erstmal alle Gäste von weiter weg gratulieren können sollten. Denn es ist ja der Tag von (Name des Bräutigams). Ich denke mir: „Die weit angereisten werden doch sicher übernachten. Soll sich mal nicht so haben.“ Sie fand es gut, dass ich gewartet hätte. Gesehen, dass das für mich ein immenser Kraftakt war, hat sie wohl nicht. Ich solle nicht immer nur an mich denken. Mir wäre wohl egal, dass es die Hochzeit von (Name des Bräutigams) ist. Er steht im Mittelpunkt. Ja, schon. ABER: Genau das ist ja der Punkt: Wenn mir das Paar total egal wäre – oder in die Rubrik „flüchtige Bekannte, wo man nur aus Höflichkeit hingeht“ fiele, hätte ich mich bestimmt nicht so verrückt gemacht.

Wäre also dem Bräutigam und mir gleichermaßen gedient gewesen, wenn ich von Vornherein abgesagt hätte und dann dementsprechend zur selben Zeit mit mir im Moment noch unbekannten andern jungen Leuten zum Paddeln gefahren wäre? Die Beziehung zu den Mitpaddelnden ist eher eine „Arbeits“-Beziehung. Und daran wird sich so schnell nichts ändern. Bin ja noch relativ neu in der Gruppe. Dann hätte ich mich nach dem Sommerkonzert im Juni gleich komplett ausklinken müssen. Und gegenüber der anstehenden Hochzeit eine Egal-Haltung einnehmen. Mich würde dann bestimmt das schlechte Gewissen quälen. Die Bekannte meinte noch, dass es ja extrem schade wäre, wenn ich nicht gekommen wäre.

Am Ende habe ich mein kleines Gedicht noch vortragen können. Allerhöchste Eisenbahn (rw)! Aber ein wenig sauer bin ich auf diese Bekannte jetzt trotzdem. Und es bleibt trotzdem eben dieser bittere Nachgeschmack. Mir ist zum Heulen – weil es mich an den Rand des Aushaltbaren getrieben hat. Dabei hätte es auch für mich eine schöne Feier werden können, hätte sich schon wesentlich früher eine Möglichkeit angefunden. Aber ich bin gegangen ohne mich zu verabschieden. Das wurmt mich. Bloß dazu war ich nicht mehr im Stande.

Also dem Brautpaar wirklich noch mal alles Gute und Gottes Segen. Ehrlich. Auch wenn für mich die Feier fast den Bach runtergegangen ist. Heul.

Ich und der Kirchentag

Kirchentag

Ich stelle mich darauf ein. Neue Leute kennenlernen garantiert. Es ist schön. Ein Fest des Glaubens. Viele interessante Impulse. Meine sonst mitunter riesigen Hemmungen sind für ein paar Tage wie weggeblasen. Mauern werden eingerissen. Nicht von jetzt auf gleich, aber innerhalb von 1 bis 2 Tagen.

Persönliches Highlight: Einem Juden begegnet sein. Ich war beim Reinkommen aufgeregt. Zum Runterkommen wollte ich den Psalm 23 beten. Mir vielen bloß vier (!) Worte (laut Lutherübersetzung) nicht ein! Mir war das schrecklich peinlich. Aber ich traute mich nicht, einfach zu fragen. Wir haben uns nur gegrüßt. Aber ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Sympathischer Mann. Bei einer nächsten Begegnung mit einem Juden wird mir das Ansprechen, Fragen stellen leichter fallen.

Zu einer großen Gemeinschaft gehören, die zusammen feiern. Ich gehörte zu den ehrenamtlichen Helfern. Die hatten alle ein T-Shirt und ein grünes Halstuch. Die Besucher hatten einen Kirchentagsschal und ein Schlüsselband mit Eintrittskarte. Und ich habe auch so ein Schlüsselband. Die Musik ist besonders. Gottesdienst. Zusammen feiern mit vielen Menschen.

Grenzen verlieren ihr trennendes Gewicht, Hemmschwellen sinken, frei sein! Auch das Stichwort einer Predigt: Freiheit!

In Jesus bist du frei. Freiheit bedeutet:

  • nicht auf Hindernisse stoßen
  • keine Angst haben, sich nicht fürchten müssen, mutig sein
  • unbelastet sein, ungehemmt
  • Handlungsfähigkeit
  • sich nichts von anderen vorschreiben lassen müssen
  • sich bewusst für Dinge entscheiden
  • sich eine eigene Meinung bilden und sie vertreten

sich auf neues einlassen können, die Vielfalt der Menschen schätzen
Frei sein! Das alles verbinde ich mit Kirchentag. All das! Frei in Christus – das unterschreibe ich so. Das ist dieses spezielle Kirchentagsfeeling: Ich bin frei, weil Christus mich frei macht.

Nach drei Tagen bin ich zwar geschafft, aber richtig glücklich. Und vom Stadtfest bin ich auch weitgehend verschont geblieben. Wenn Stadtfest und Kirchentag dann wieder so günstig fallen … Auf das Stadtfest kann ich nämlich hervorragend verzichten. Es ist vor allem laut und eine Gelegenheit, Geld auszugeben. Brauche ich nicht. Ein Kirchentag gibt mir so viel mehr – siehe oben.

Faszination – Werte – Zukunftsfragen

Etwas ist mir in den vergangenen Tagen vermehrt aufgefallen: Dass mich gewisse Menschen faszinieren. Und ich frage mich: Warum? Ein Dreh- und Angelpunkt ist auf jeden Fall der Holocaust. Es geht um Aufarbeitung. Es ist eine menschliche Größe. Die Achtung und der Respekt vor jedem Einzelnen. Es ist ein Dennoch und Trotzdem. Es sind mitunter mutige Menschen, die den Diktaturen der Vergangenheit die Stirn geboten, sich nicht unterkriegen lassen haben. Es sind aber auch Menschen, die aus einer eher miesen Ausgangslage etwas großartiges geleistet haben. Es sind Menschen, die für Versöhnung und Ausgleich stehen. Es sind Menschen, denen ich abkaufe, was sie sagen. Es sind Menschen, die sich für andere engagieren und auch voll und ganz dahinter stehen. Und manchmal ist es auch die Frage des Verstehen-Wollens: Warum wurde ein Mensch zum Monster? Was macht einen Menschen zu dem, was er ist? Was ist die Rolle einer Person in Vergangenheit und Gegenwart im großen Ganzen von Gesellschaft und Politik? Welchen Einfluss hat sie auf andere? Schlimm finde ich, wenn Menschen sich, ihre Herkunft, ihr bisheriges Tun verleugnen. Schlimm finde ich Anpassung um jeden Preis. Ich finde es schöner, wenn jemand immer er selbst geblieben ist.

Dahinter steht aber auch die Frage: Könnte ich das auch? Wie würde ich in einer vergleichbaren Situation handeln? Was sind meine Werte? Welches Risiko bin ich bereit, auf mich zu nehmen? Was möchte ich erreichen – für mich und für andere? Was sind meine Wünsche und Träume? Und: Wie kann ich die Person bleiben, die ich bin? Sich nicht gemein machen. Etwas bewirken. Den Mut aufbringen, anzufangen. Etwas durchziehen gegen Widerstände. Nicht vorne dran und doch wichtig sein. Einen Unterschied machen. Die Welt ein bisschen heller machen. All das wünsche ich mir für mich. Das macht wohl die Faszination aus, wenn ich genau das bei anderen finde.

Was möchte ich erreichen? Wo will ich hin? Das sind eben die Fragen, die mir gerade unter den Nägeln brennen. Ich habe keinen konkreten Plan. Viele Ansatzpunkte, aber keine Idee, wie man das weiterentwickeln kann. Ich interessiere mich für Computer, Politik, Kirche, Glaube, Gesellschaft. Bisherige Ideen:

  • irgendwas mit einem Raspberry Pi (was da konkret? Webseite, Mediacenter, private Cloud? Nur für mich allein finde ich es aber zu wenig.)
  • in eine Partei eintreten (Und dann? Für meine Stadt keine konkrete Idee, für höhere Ebenen noch dazu keinen Mut, vorzupreschen. Vitamin B Mangelware)
  • unsre Kirchkaffeefrau ablösen (zementiert eher die Situation – bin ohne bezahlte Arbeit)
  • ein Instrument lernen (Konkretes Ziel: Hochzeit des Kantors – als Überraschung. Und dann?)
  • nach Leipzig umziehen (bloß schlecht ohne Job) zu meinem Freund (der nur einen Minijob hat – Besseres unrealistisch), heiraten, Kinder
  • Geschichte der Stadt erforschen (Wo fange ich an? Wer könnte helfen?)

Ein Lebenstraum? Ein großes Ziel? Etwas, für das ich mich langfristig engagieren kann? Etwas, bei dem ich irgendwann vom Amt unabhängig bin (aber auch nicht mehr)? Etwas, das der Gesellschaft als Ganzes nützt? Von meinen eigenen Ideen ist leider nichts dabei, auf das alles gleichermaßen zutrifft. Vorschläge willkommen.

Aufregende Aussichten 

Ein grober Terminplan steht: Diese Woche 2 Chorproben statt einer und jeweils mit Überlänge.  Am Sonntag steht an: Vormittag Patienten im Krankenhaus besingen und nachmittags Traditionelles Mitsing-adventskonzert. Zum Glück mache ich dieses Jahr nicht beim Krippenspiel mit. Das wäre sonst noch ein Termin am 4. Advent.  Aber zu Heiligabend geh ich hin.  Diesmal aus der Sicht der Weisen aus dem Morgenland erzählt. Dann noch plus Chor zur Christvesper. 1. Feiertag: Opa besuchen. 2. Feiertag: Podest aufbauen und diverse andere Vorbereitungen. 3. Feiertag: Großes Konzert. Ich bin schon gespannt, wie das wohl wird. Und die ersten Termine fürs neue Jahr stehen auch schon. Der Kantor hat Recht: “Im Februar wird es ruhiger. ” Ja, wirklich erst im Februar. Und das Reformationsjubiläum wirft seine Schatten voraus. Und ein Besuch bei meinem Freund ist überfällig. Aufregende Aussichten. Das meine ich durchaus zweideutig. Anstrengend und viele tolle und spannende Sachen. 

Plakat Weihnachtskonzert und Flyer zur Konzertreihe Gesungene Reformation